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Die Mani

Für mich gibt es fast nichts, was schwieriger sein könnte, als die Mani zu beschreiben, denn sie ist ungemein vielschichtig. 

So oft hört man den Satz: die Mani ist wild romantisch, die Mani ist öde, die innere Mani war nie türkisch, es existiert sogar der Satz: als Gott die Welt erschaffen hat, behielt er einen Sack Steine übrig und schüttete ihn aus,- das Gebiet nannte er dann Mani.

 Aber irgendwie leidet all das an einer nicht sachgerechten Pauschalierung. So ist die Mani überhaupt nicht nur schroff,- viele Teile von ihr sind sogar ausgesprochen grün, ihre Strände mild und wunderschön mit kristallklarem, absolut reinen Wasser. Der Gebirgszug des Taygetos, eins der größten griechischen Bergmassive, ist geradezu erhebend und die gesamte Mani ist ein Wander- und Bikerparadies. Natürlich, als steinige Halbinsel des Peloponnes, kommt man sich in der inneren Mani so manches Mal vor, als sei man in der Wüste Libyiens angelangt, aber dass sich dadurch so etwas wie Monotonie ergibt, habe ich nie empfunden - vielmehr umgibt die innere Mani ein spröder Charme, der sie zu einem Faszinosum per se macht, immer wieder gebrochen von längst verlassenen Dörfern, deren Geschlechtertürme in Miniatur die Skyline Manhattans zu kopieren scheinen - wer sich der Anziehung vom berühmten Vathia ganz einfach zu entziehen vermag, dem kann einfach nicht mehr geholfen werden und wen am äußersten südlichen Punkt des europäischen Festlands, dem Kap mit Orakelstätte (Todesorakel!) in kolossaler Landschaft nicht ein berauschtes Gefühl für die Natur überkommt, der wird ein solches Gefühl wohl nie erleben, denn etwas Schöneres wird der Betrachter wohl kaum mehr zu sehen bekommen.

Mani ist ein Gebiet, das ebenso gemocht, wie als Zielgebiet für einen Urlaub beiseite gelegt wird, denn es ist keine Gegend, die man auf den ersten Blick (auf den zweiten umso mehr) ins Herz schliesst. Die Landschaft ist oft schroff (und lieblich im Wechsel) und die Manioten als sind stolz und unangepasst (somit nicht gerade ideale Partner für Pauschaltouristen). Die Mani ist sicherlich kein Gebiet, das Touristen empfohlen sei, die Luxus wünschen,- eher denjenigen, die ein Griechenland zurückerobern wollen, ein Griechenland wie es mal war, das auch fordert und sich nur allmählich erschliesst,- schlicht: das Griechenland der Individualtouristen mit Interesse an Land und Leuten.  Mani ist typisch und entzieht sich dem Mainstream, erinnert viel eher an etwas, von dem man meinte, es sei längst Geschichte. Ich meine hier nicht die Gastfreundschaft, denn auch hier ist diese Pflicht, ich denke hier viel eher an ein völlig unkorruptes Wesen, das Geld zwar nicht verschmäht, aber sicherlich eher als sekundär, wenn nicht tertiär betrachtet und an Sitten, die dem normalen Europäer als schlichtweg abstrus vorkommen.

Da die Manioten Krieger waren, über Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende das Leben nur vom Tod her betrachteten, wundert es nicht, dass Kunst relativ fremd in der Mani ist und nur im berühmten Gesang der Totenklagen der Klageweiber einen Niederschlag gefunden hat. Der Maniote stammt von denjenigen ab, für die Sparta zu lau, lasch und schlapp war, eine Kriegerkaste, die die stolzen Kreter noch für verweichlichte Lichter erachtet. Der Maniote ist auf den ersten Blick ein Muffel und Waffennarr, die Blutrache noch immer Realität, der Aberglaube hat tiefe Wurzeln, Vampirismus ist kein Witz, sondern fester Bestandteil des Volksglaubens. Sehr spät christianisiert, geht der Maniote lieber sicher und steckt Toten noch immer die obligatorische Münze für den Fährmann in den Mund. Und so wundert es auch nicht, wenn das Christentum eine recht fremde Mischung aus Mono- und Polytheismus annehmen kann. Untereinander sind sich die verschiedenen Familienclans (von deren Kleinkriegen noch immer die berühmten Geschlechtertürme zeugen) spinnefeind,- nur ein noch schlimmerer Feind, wie z. B. der Türke konnte ihre Fehden in Sekundenschnelle beenden. Italiener werden so z.B. nicht gemocht, da sie im Krieg Hühner stahlen, sich mit maniotischen Frauen vermischen wollten etc. - Deutsche hingegen, und wenn sie ganze Dörfer hinschlachteten, werden für enorm mutige Krieger gehalten, die sich in ihrer Ausrottungstendenz fast schon vorbildlich verhielten - eine Logik, der man nur schwerlich folgen kann, aber: in der Mani herrschen andere Sitten und werden nur durch die unendwegten kriegerischen Auseinandersetzungen, gekoppelt an eine z. T. lebensfeindliche Umwelt und Natur ein wenig verständlicher.

Doch nun der zweite Blick auf den Manioten: er ist großherzig, zuverlässig, ungemein freundlich und taut sehr schnell auf,- und kein Landstrich Europas hat in seiner Geschichte mehr Verfolgte und Asylanten aufgenommen.  Der herrschende Ehrenkodex hat starke integrative Tendenzen und gerade die Bürde, die die Mani in ihrer Schroffheit den dort Lebenden auferlegt, bewirkt ein Naturbewußtsein, das zum Wesentlichen vordringt. Eine weitere Eigenschaft des Manioten ist sein Neugier, er liebt Geschichten und vieles ist, durch die geografische Abgeschiedenheit bedingt, tatsächlich neu für ihn,- zum Beispiel auch der Wunsch des Touristen nach Komfort. Die Mani ist arm und jeder Gast sollte bedenken, dass viele Gebiete der Mani erst seit 10 Jahren Strom kennen,- demzufolge ist vieles noch einfacher, als der Gast es vielleicht gewohnt ist. Eine Klimaanlage zu besitzen, ist etwas völlig Luxuriöses und fällt, zumal bei den älteren Manioten, schon beinahe unter den Begriff der Dekadenz, wird somit eher mit einem Naserümpfen bedacht.

Meine Auswahl von Feriendomizilen orientiert sich an dem für die Mani als gehobener Standard zu bezeichnenden Klasse von Objekten.

Festzuhalten sei: Mani ist Griechenland extrem, nur in seinen Randbereichen (dem Norden) ein Urlauberparadies, in seinem Zentum das vergessene Griechenland, das es noch immer zu entdecken gilt.

Da es hier unmöglich ist, eine Art Reiseführer zu erstellen, nur noch einige Hinweise zu Sehenswürdigkeiten:

Auf jeden Fall sollte der Mani-Reisende das Kap Matapan (Tainaron) mit dem Eingang zum Hades und das Todesorakel, weiterhin die Stadt des Ares: Areopolis und Gythio, wo Paris nach Troja übersetzte, besuchen. Ferner die berühmten Grotten von Pirgos Dirou und ein Abstecher nach Monemvassia. Verpassen sollte man weder die Ruinenstadt Vathia mit ihren Geschlechtertürmen noch Kitta oder das bezaubernde Kardamyli.

Zu entdecken gibt es vieles und der mit Abstand beste Reiseführer (fast schon ein Anti-Reiseführer) ist Mani von Patrick Leigh Fermor (Otto Müller Verlag), gefolgt von Greenhalgh/Eliopoulos - Mani im Prestel Verlag.

 


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